Mittelwellenfreunde

Sendeanlage Königs Wusterhausen

Mein letzter Urlaub in Erkner (bei Berlin) führte mich auch auf den „Funkerberg“ zur Sendeanlage Königs Wusterhausen. Die Anlage ist ein Zeugnis der deutschen Rundfunkgeschichte. Der ortsanässige Förderverein kämpft um den Erhalt der Außenanlagen sowie um den weiteren Betrieb des dort ungebrachten Museums.

  

Sendegebäude und Antennenanlage

Die Geschichte des Funkerbergs

Bereits im Jahre 1911 wurden auf dem damaligen Windmühlenberg von Königs Wusterhausen durch ein Luftschiffer- und Telegraphenbatallion funktechnische Versuche durchgeführt. Dazu benutzte man "ortsveränderliche" Lichtbogensender, deren Antennen mit Ballonen und Drachen in die Höhe gehoben wurden. Aufgrund der äußerst erfolgreichen Versuche wurde beschlossen, an diesem Platz eine feste Militärfunkstation zu errichten.

Die 1913 begonnenen Aufbauarbeiten gerieten zwar zum Anfang des 1.Weltkrieges ins Stocken, führten aber letztendlich zur Inbetriebnahme der ersten Funkstation am 15.06.1915. Die Station erhielt nach dem Namen des ersten Stationsführers, Major von Lepel, den Rufnamen LP. Mit Hilfe der hier installierten Lichtbogensender wurden vorrangig Herresberichte übertragen, aber auch der Telegrammverkehr ins Ausland konnte auf diesem Wege erfolgen - alles auf der Grundlage des Morsealphabetes.  

Im April 1917 wurden unter Beteiligung des Physikers Alexander Meißner und des Ingenieurs Hans Bredow Versuche zur Übertragung von Sprache und Musik durchgeführt. Leider konnten diese Versuche nicht fortgesetzt werden , da durch die Vorgesetzten befohlen wurde, "diesen Unfug zu unterbinden".Nach Beendigung des ersten Weltkrieges übernahm die Deutsche Reichspost die ehemalige Militärfunkstation.

Nach mehreren Versuchen in und um Berlin strahlte am 22.12.1920 die damals bekannteste Funkstation, Königs Wusterhausen (rd. 25 km südöstlich von Berlin), erstmals ein Weihnachtskonzert aus. Das Echo hierauf war ernorm, allerdings nur aus dem Ausland und von kommerziellen deutschen Rundfunkstationen, weniger von den Berliner Hörern.

Nach einiger Zeit weiterer Experimente eröffnete der damalige Staatssekretär Dr. Bredow am 15.10.1923 den „Deutschen Rundfunk“. Den würdevollen Abschluss bildete ein Konzert, dass über den Sender Königs Wusterhausen ausgestrahlt wurde.

Durch die starke Verbreitung der (übrigens nur die Deutschen Reichssender empfangenden) sogenannten Volksempfänger war es mittlerweile fast überall möglich, Rundfunk zu hören. Im Zuge der Entwicklung und im Hinblick auf die bevorstehende Olympiade 1936 wurde vor allem der Sendestandort Zeesen stark erweitert. Es kamen die Sendehäuser 5 und 6 hinzu, in denen jeweils 4 Kurzwellensender mit einer Sendeleistung von 40-kW-Träger-Leistung aufgebaut wurden, welche bis zum Jahre 1945 in Betrieb blieben.

Die weitere technische Entwicklung und die damit verbundene räumliche Ausbreitung brachte es mit sich, das der auf dem Funkerberg zur Verfügung stehende Platz im Jahre 1926 nicht mehr ausreichte. Immerhin standen hier mittlerweile 3 voll ausgerüstete Sendehäuser, der 1925 erbaute 243 Meter Sendeturm, zwölf weitere 100 - 210 m Masten inclusive diverser Antennenanlagen.So kam es dazu, daß zum Ende des Jahres 1926 mit dem Aufbau einer neuen Großfunkstation in unmittelbarer Nähe von Königs Wusterhausen, in Zeesen,begonnen wurde.

Ausgehend von der Ausstrahlung 1920 wurden noch bis zum Jahre 1926 Sonntagskonzerte in Königs Wusterhausen produziert und gesendet, die weit über die Landesgrenzen hinaus Bedeutung hatten.

1933 brachte eine einschneidende Kehrtwendung des bis dahin politisch fast völlig neutrale deutsche Rundfunks. Die neuen Machthaber erkannten sehr schnell die propagandistischen Möglichkeiten des modernen Rundfunks und forcierten seine Entwicklung dementsprechend.  

Die Sendeanlagen auf dem Funkerberg und auf dem Gelände in Zeesen überstanden den 2.Weltkrieg fast völlig unversehrt und wurden unmittelbar nach Kriegsende von den sowjetischen Truppen besetzt. Nach dem Sie sich von der Funktionstüchtigkeit der Anlagen überzeugt hatten, wurden große Teile der Sendeanlagen auf dem Funkerberg sowie alle sendetechnischen Anlagen des Bereiches Zeesen im Rahmen von Reparationsleistungen abgebaut. Die Sendehäuser in Zeesen wurden gesprengt. 

 

Sendemasten 17

 Im Haus 1 auf dem Funkerberg wurden bereits im Juni 1945 20-kW-Kurzwellen-Sender für militärische Zwecke in Betrieb genommen. Ein weiterer Kurzwellensender diente ab November 1945 zur Abstrahlung des Programms des "Berliner Rundfunks", welcher ab Dezember 1945 auch von einem im Haus 3 aufgebauten Langwellensender abgestrahlt wurde. Ebenfalls im Haus 3 wurde im August 1946 ein 100-kW-Langwellensender in Betrieb genommen, der lange Zeit betrieben wurde und bis in die heutige Zeit als sogenannter Wartungssender für den Langwellensender in Zehlendorf bei Oranienburg für das Programm "Deutschlandradio" dient.

In den letzten Kriegsjahren wurde noch das Haus 7 gebaut. Dieses beherbegte eine Netzersatzanlage mit zwei 2100 Ps starken Dieselmotoren, die Generatoren mit einer Leistung von 1100 kVA bei 6 kV antrieben.

Betrachtet man die geschichtliche Entwicklung auf dem Funkerberg nach dem Ablauf des zweiten Weltkrieges, so darf man die Geschichte des legendären Senders 21 nicht unberücksichtigt lassen. Dieser 100-kW-Mittelwellensender wurde in den Jahren 1932/33 in Berlin-Tegel errichtet. Im Jahr 1948 mußte der Sender in einer sehr kurzfristigen Aktion nach Königs Wusterhausen umgesetzt werden und ging hier am 20.März 1949 wieder in Betrieb. Dieser aufgrund seiner offenen Bauweise sehr imposannte und anschauliche Sender war noch bis 1989 im durchgehenden Sendebetrieb und steht auch heute noch in seiner ursprünglichen Form im Haus 2 auf dem Funkerberg

Die deutsche Einheit brachte auch für den Sendestandort Königs Wusterhausen einschneidende Veränderungen. Der reguläre Sendebetrieb auf dem Funkerberg wurde nach und nach verringert und im Sommer 1995 endgültig eingestellt. 

Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen

Die Verhandlungen zwischen der Stadt Königs Wusterhausen und der deutschen Telekom AG zur Übernahme des Funkerberges durch die Stadt Königs Wusterhausen fanden im Jahr 2007 ihren Abschluss. Zuvor hatte die Deutsche Telekom das Gelände dem Land Brandenburg angeboten, dass das Angebot aber ablehnte.

Seit 2009 sendet der UKW-Sender "KW" sein Porgramm vom Funkerberg.

  

Eingang zum Muesum

Der Förderverein und das Rundfunkmuseum

Im Förderverein "Sender Königs Wusterhausen" e.V. haben sich Rundfunkbegeisterte unterschiedlichster Herkunft zusammengefunden. (www.funkerberg.de)

So sind bei uns ehemalige Mitarbeiter der Sendestelle KW ebenso Mitglied wie Weinhändler oder Diplompädagogen. Sie alle vereint ein Ziel - die Bedeutung des Sendestandortes Königs Wusterhausen innerhalb der Geschichte des deutschen Rundfunks nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Durch die Arbeit vieler fleißiger Mitarbeiter verschiedener AB Maßnahmen entstand unter fachlicher Anleitung des Fördervereins das FunkerbergMuseum.

Die Übernahme des Geländes durch die Stadt Königs Wusterhausen und das Betreiben einer Rundfunkstation führten letztlich dazu, dass wieder regelmäßig das Museum besichtigt werden kann und in loser Reihenfolge Sonderveranstaltungen stattfinden (z. B. die FunkBergBörse).

Quellen: FV Sender KW, Rundfunka uf MW, Siebelverlag